Wie kann Einbürgerungsberatung Menschen besser erreichen, Behörden entlasten und zu politischer und gesellschaftlicher Teilhabe beitragen? Mit diesen Fragen ist das Projekt „Pass[t] Genau – Beratungsnetzwerk zur Einbürgerung“ am 26. September in Wiesbaden gestartet. Zum Auftakt kamen aktive und angehende Einbürgerungslots*innen, Vertreter*innen BZI-Mitgliedsorganisationen sowie Akteur*innen aus Politik und Fachöffentlichkeit zusammen.

EINBÜRGERUNGSBERATUNG ALS VORAUSSETZUNG FÜR TEILHABE
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die gesellschaftspolitische Bedeutung von Einbürgerung, Impulse für Politik und Beratungspraxis sowie die Vernetzung über Ländergrenzen hinweg.
Didem L. Karabulut, Vorsitzende des BZI eröffnete die Veranstaltung und dankte der Bundesbeauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration, Natalie Pawlik, für die Möglichkeit, das in Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern erfolgreich durchgeführte Projekt in den Modellregionen Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz fortzuführen und weiterzuentwickeln.
In Ihrer Projektvorstellung machte Karabulut deutlich, dass Einbürgerung weit mehr als den Erwerb eines neuen Passes bedeutet:
„Einbürgerung bedeutet: Ich gehöre dazu, ich bin Teil dieses Landes – mit Rechten, mit Pflichten und mit Würde.“
Didem Karabulut, Vorsitzende des BZI
Ehrenamtliche Einbürgerungslots*innen schafften durch eine empathische und nahbare Begleitung neue Zugänge und leisteten so einen wertvollen Beitrag für eine demokratische Gesellschaft, so Karabulut.
Auch aus der Politik gab es Unterstützung für das Projekt. Katrin Hechler, Staatsministerin im Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales betonte die Bedeutung von Pass[t] Genau für die Umsetzung des Staatsangehörigkeitsrechts in Hessen.
„Hesse ist, wer Hesse sein will“.
Katrin Hechler, Staatsministerin im Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales
Miguel Vicente, Beauftragter der Landesregierung Rheinland-Pfalz für Migration und Integration hob die Bedeutung des Projekts für das Einwanderungsland Deutschland hervor. Es weise die Richtung für ein liberales Einwanderungsrecht in Deutschland.
Eine zentrale Rolle beim Aufbau des Beratungsnetzwerks übernehmen die kommunalen Ausländer-, Integrations- und Migrationsbeiräte. Die Vorsitzenden der drei beteiligten Landesverbände erläuterten, warum sie Pass[t] Genau gemeinsam mit dem BZI umsetzen. Sie wiesen auf aktuell bestehende Hürden im Einbürgerungsprozess und der Arbeit der Behörden hin. Eine nahbare und zugleich qualifizierte ehrenamtliche Einbürgerungsberatung setze an der Schnittstelle zwischen Communities und Behörden an und hole die Menschen dort ab, wo sie stehen.

WORKSHOPS: EINBÜRGERUNG IM KONTEXT VON PROJEKTARBEIT, EHRENAMTLICHEM ENGAGEMENT UND POLITISCHER GESTALTUNG
In drei Workshops konnten die Teilnehmenden zentrale Themen des Projekts vertiefen.
Ein Workshop befasste sich mit Herausforderungen und Zielen der Projektarbeit. Dabei wurden unterschiedliche strukturelle, politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen in den deutschen Bundesländern diskutiert. Ein weiterer Workshop bot aktiven und angehenden Einbürgerungslots*innen Raum, sich über ihre Rolle und Aufgaben auszutauschen, Erfahrungen zu teilen und sich zu vernetzen. Der dritte Workshop widmete sich mit der politischen Dimension von Pass[t] Genau. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie eine Einbürgerungspolitik gestaltet werden muss, die Einbürgerung als grundlegende Voraussetzung gesellschaftlicher und politischer Teilhabe in einer Einwanderungsgesellschaft versteht.

AUFTAKT FÜR DIE WEITERE ZUSAMMENARBEIT
Auf der Auftaktveranstaltung kamen Akteure aus den drei Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz erstmals zusammen. Damit wurde der Grundstein des Netzwerks gelegt. Die Ergebnisse und Impulse der Veranstaltung bilden eine wichtige Grundlage für die Stärkung, Vernetzung und Ausweitung von bestehenden Beratungsstrukturen in den Kommunender drei Länder.
Wir danken allen Teilnehmenden für ihre wertvollen Beiträge und den anregenden Austausch und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit!



Fotos: BZI/Julia Läwen